LOHNVERRECHNUNG | Jahressechstelaufrollung im Dezember!

Was bedeutet die "Aufrollung Lohnsteuer" auf meinem Lohnzettel im Dezember?


Mit dem Steuerreformgesetz 2020 wurde auch eine wesentliche Änderung für die Personalverrechnung eingeführt: Seit 1.1.2020 sind die Regelungen zum neuen Kontrollsechstel in Kraft, wonach im Rahmen der Lohnverrechnung spätestens am Jahresende, unter gewissen Umständen aber auch bereits unterjährig, eine Kontrolle und nötigenfalls eine Aufrollung des lohnsteuerbegünstigten Jahressechstels zu erfolgen hat, um ungerechtfertigte Steuervorteile zu vermeiden (§ 67 Abs 2 iVm § 77 Abs 4a EStG idF StRefG 2020).


Den meisten Arbeitnehmern ist zumindest oberflächlich bekannt, dass Sonderzahlungen unter bestimmten Voraussetzungen steuerbegünstigt sind. Die bisherige Regelung des § 67 Abs 2 EStG sah vor, dass für die Berechnung des Jahressechstels eine Hochrechnung der bereits zugeflossenen laufenden Bezüge zu erfolgen hatte. Dies hatte teilweise zur Folge, dass Unternehmen oftmals die Bezüge des ersten Halbjahres erhöht haben (zB im Juni neben der Sonderzahlung auch eine hohe Prämie oder sonstige Bezüge ausbezahlt haben), während in der zweiten Jahreshälfte die Bezüge wieder reduziert wurden. Dies führte in der Folge dazu, dass ein höheres Jahressechstel in Anspruch genommen werden konnte, als es sich bei Berechnung eines Jahresschnittes ergeben hätte. Somit wurden höhere sonstige Bezüge mit dem begünstigten Steuersatz besteuert.


Bisher durfte bei einer unterjährigen Reduzierung der Bezüge und einer damit einhergehenden Verminderung des Jahressechstels keine Aufrollung für Vormonate und damit für bereits ausbezahlte sonstige Bezüge erfolgen.




Erläuterungen:


Sonderzahlungen sind lohnsteuerlich leider nicht grenzenlos begünstigt, sondern nur bis zur Höhe des so genannten „Jahressechstels“. Die Höhe des Jahressechstels entspricht betraglich zwei laufenden durchschnittlichen Bruttomonatsbezügen, kann also auch unterjährig schwanken (je nach Höhe der laufenden Bezüge). Die Begünstigung für Sonderzahlungen besteht darin, dass innerhalb des Jahressechstels die ersten € 620,00 steuerfrei sind (Freibetrag) und darüber hinaus i.d.R. eine 6 %-Besteuerung der Sonderzahlungen zur Anwendung kommt.


Beispiel: Bei einem Bruttomonatsgehalt von € 3.000,00 beträgt das Jahressechstel i.d.R. € 6.000,00. Das Urlaubsgeld und das Weihnachtsgeld von je € 3.000,00 haben – sofern es keine weiteren Sonderzahlungen gibt – im Jahressechstel exakt Platz und werden daher zur Gänze steuerbegünstigt abgerechnet.


Wenn hingegen die in einem Kalenderjahr gewährten Sonderzahlungen das Jahressechstel überschreiten (Sechstelüberhang), ist der Überschreitungsbetrag mit dem vollen Lohnsteuertarif (gemeinsam mit dem laufenden Gehalt/Lohn) zu besteuern. Dies kann leider zu einer sehr hohen Steuerlast führen (bis zu 50 % des Sechstelüberhangs). Ein Sechstelüberhang entsteht insbesondere dann, wenn außer dem Urlaubszuschuss und der Weihnachtsremuneration weitere Sonderzahlungen erfolgen (z.B. Jahresbonus, jährliche Zielerreichungsprämie, Jubiläumsgeld o.ä.).


Beispiel: Bruttomonatsgehalt von € 3.000,00, daher beträgt das Jahressechstel i.d.R. € 6.000,00. Im April wird eine Jahresprämie von € 2.000,00 ausbezahlt, im Juni das Urlaubsgeld (€ 3.000,00) und im November das Weihnachtsgeld (€ 3.000,00). Die Jahresprämie (€ 2.000,00) und das Urlaubsgeld (€ 3.000,00) haben zur Gänze im Jahressechstel Platz und werden steuerbegünstigt abgerechnet (€ 620,00 Freibetrag und darüber hinaus 6 %). Vom Weihnachtsgeld können nur mehr € 1.000,00 steuerbegünstigt abgerechnet werden, der Sechstelüberhang von € 2.000,00 muss gemeinsam mit dem Gehalt voll nach dem Tarif (im Ergebnis mit knapp 50 %) versteuert werden.


BEACHTE: Ab 2020 ist jeder Arbeitgeber verpflichtet, bei Auszahlung des letzten laufenden Bezuges im Kalenderjahr das Jahressechstel neu zu berechnen (also i.d.R. im Dezember, bei unterjährigem Austritt hingegen schon bei der Austrittsabrechnung). Dies kann insbesondere in folgenden Fällen zu hohen Sechstelüberhängen und entsprechend hohen Steuernachzahlungen führen:

  • Reduktion der Arbeitszeit (und damit verbundene Entgeltreduktion) in der zweiten Hälfte des Kalenderjahres;

  • Pflegekarenz, Bildungskarenz, unbezahlter Urlaub und sonstige „Ruhensfälle“ in der zweiten Hälfte des Kalenderjahres (ausgenommen Mutterschutz, Papamonat und gesetzliche Elternkarenz);

  • Entgeltreduktion durch langen Krankenstand;

  • Unterjähriger Austritt nach Erhalt des vollen Urlaubsgeldes, sofern keine Rückverrechnung des überanteiligen Urlaubsgeldes erfolgt (z.B. aufgrund kollektivvertraglicher Regelung);

  • Unterjähriger Austritt mit überproportional hohen Sonderzahlungen (z.B. Auszahlung des Vorjahresbonus);

  • Unterjährig schwankendes Sechstel, wenn das Sechstel (z.B. wegen Überstundenwegfall) im Dezember niedriger ist als bei der Weihnachtsremuneration-Auszahlung im November).



Fragen und Antworten zum Kontrollsechstel gemäß § 67 Abs. 2 iVm § 77 Abs. 4a EStG 1988 gültig für Lohnzahlungszeiträume nach dem 31.12.2020





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